DDP vom 19. Juli 2001

Dringend Vermischtes - Multimedia/Domainnamen/Städte/FEA/
Städte im Netz - Deutschlands Stadtväter gehen sehr unterschiedlich mit ihren Domainnamen um

--von ddp-Korrespondent Peter Lehnert--

München (ddp). Attraktive Internet-Adressen sind mitunter Gold wert. Deshalb kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen vor Gericht. Bei Städtenamen allerdings ist die Rechtslage seit 1996 eindeutig. Damals sprach das Landgericht Mannheim der Stadt Heidelberg klar die Besitzerrechte an "heidelberg.de" zu, obwohl sich ein gleichnamiges Unternehmen die Adresse schon viel früher gesichert hatte. Begründung der Richter: die außerordentliche Bekanntheit der Stadt, der man auch im Internet Rechnung tragen müsse. Trotzdem handhaben deutsche Städte den Umgang mit ihren Namen im Netz sehr unterschiedlich.
Zwar sind inzwischen die meisten deutschen Städte unter ihrem Namen und der Top-Leven-Domain ".de" im Internet zu finden. Manche Kommunen wie Köln und Berlin vermieten ihre Domain jedoch an private Unternehmen. Aus naheliegenden Gründen, wie Horst Ulrich vom Berliner Stadtinformations-Referat betont. "Die Firma darf www.berlin.de zu kommerziellen Zwecken nutzen, im Gegenzug kann die Stadt ihre Informationen kostenlos darstellen". Zudem hat sich die Stadt ein Mitspracherecht bei der Gestaltung gesichert, verfängliche Inhalte wie Pornobilder sind daher tabu.
Komplett in Eigenregie betreut hingegen die Stadtverwaltung der bayerischen Landeshauptstadt ihr Internet-Angebot unter www.muenchen.de. Viel Mühe hat man hier seit 1995 investiert, um das Portal zu einer möglichst vollständigen Anlaufstelle für die Bürger auszubauen. Dokumente für die Änderung der Wohnsitzangabe sind hier genauso zu finden, wie die Möglichkeit, Wunschkennzeichen bei der Kfz-Zulassungsstelle zu reservieren. Doch auch in München denkt man bereits an Outsourcing: "Sollte der Stadtrat zustimmen, werden wir in Kürze eine externe Betreibergesellschaft für die Betreuung der Internet-Adresse gründen", sagt Pressesprecher Stefan Hauf. Da das Portal nämlich nochmals um die Bereiche Vereine und Gesellschaft erweitert werden soll, wird auch dem Münchner Amt langsam der Aufwand zu groß.
Auf keiner stadteigenen Homepage landet, wer auf der Suche nach der hessischen Bankenmetropole www.frankfurt-am-main.de eingibt. Die Seite gehört einem Privatmann und das wird wohl auch so bleiben. "Wir haben schon so viele Adressen, da kommt´s auf die eine nicht mehr an", gibt sich Michael Schönhofen von der technischen Online-Redaktion der Stadt Frankfurt unbekümmert. Die meisten Nutzer wüssten ohnehin, dass sich die Stadt einfach unter der Adresse www.frankfurt.de präsentiere. Schönhofens Resümee: "Wir haben also vorerst keine Ambitionen, juristisch gegen den Privatmann vorzugehen."
Diese Ambitionen hätte man hingegen in der thüringischen Stadt Suhl schon, fraglich nur, ob sie von Erfolg gekrönt wären. Die Stadtverwaltung hat die Adresse "www.suhl.de" nämlich aus eigenem Verschulden an eine Familie Suhl aus Lübeck verloren. Grund: Man hatte versäumt, die Domain-Gebühren rechtzeitig an den Provider zu überweisen. Der nahm die Adresse kurzerhand wieder vom Netz. Familie Suhl schaltete schnell und sicherte sich ihren Familiennamen unter der ".de"-Domain. Die Einwohner von Suhl sind seitdem natürlich sauer, kurzerhand stellte die heimische Wirtschaft unter www.suhl.com eine eigene Seite ins Netz. Im Rathaus gibt man sich peinlich berührt, ist nun tunlichst um Schadensbegrenzung bemüht. Sprecherin Nancy Zauleck: "Wir versuchen, uns derzeit mit der Familie Suhl außergerichtlich zu einigen."

pit/sie

 

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