DDP vom 19. Juli 2001(2)

Vermischtes Multimedia/Internet/Domainnamen/FEA/

Viel Lärm um "www.suhl.de" -
Die Stadt Suhl will ihre Domain von einer Lübecker Familie zurück

--Von ddp-Korrespondentin Grit König--

Suhl (ddp). Die thüringische Stadt Suhl gibt's nur einmal, den Familiennamen Suhl dagegen häufiger. Ein besonders findiger Herr Suhl macht der Stadt jetzt mächtig zu schaffen. Wer im Internet nämlich die vermeintliche Homepage der Stadt anklickt, landet stattdessen in Lübeck. Und auf dieser Seite wird von einem hässlichen Streit Suhl gegen Suhl berichtet. Den hat sich die Stadt Suhl selbst eingebrockt. Sie hatte sich vor Jahren lediglich die Internet-Adresse gesichert, aber es versäumt, die Domain-Gebühren rechtzeitig an den Provider zu zahlen. Der nahm die Adresse vor drei Jahren kurzerhand wieder vom Netz. Da Suhl noch keine eigene Homepage eingerichtet hatte, fiel der Verlust lange Zeit nicht auf. Familie Suhl aus Lübeck stieß Anfang des Jahres per Zufall auf die freie Internet-Adresse und sicherte sich ihren Familiennamen unter der ".de"-Domain. Unter "www.suhl.de" ist seitdem eben diese Familie im Norddeutschen zu erreichen. Die Stadt versucht nun mit allen Mitteln, die Internet-Adresse zurückzukaufen, sagte Sprecherin Nancy Zauleck der Nachrichtenagentur ddp. Über die Höhe der Summe schweigt sie sich aus. Sollte eine gütliche Einigung scheitern, werde gerichtlich gegen die Familie vorgegangen
Familienvater Norbert Suhl will aber nicht klein beigeben. Für die angebotene Aufwandsentschädigung von 2.000 Mark werde er die Homepage auf keinen Fall abgeben, sagt der ehemalige Polizeibeamte, der einen kleinen Computerdienst betreibt. Notfalls lasse er es auch auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen. Die Stadt habe ihm mit "nicht unerheblichen Repressalien gedroht". So verlange sie Schadensersatz in "nicht unerheblicher Höhe". Deshalb sei er jetzt "bockig". Die Homepage sei aus rein familiären Gründen gesichert worden. Er habe nie die Absicht gehabt, der Stadt Suhl "eins auszuwischen". Die Chancen der Familie Suhl, ihre Homepage zu behalten, sehen allerdings nicht so gut aus. Seit 1996 ist die Rechtslage bei Städtenamen eindeutig. Damals sprach das Landgericht Mannheim der Stadt Heidelberg klar die Besitzrechte an "heidelberg.de" zu, obwohl sich ein gleichnamiges Unternehmen die Adresse schon früher gesichert hatte. Begründung der Richter: die außerordentliche Bekanntheit der Stadt, der man auch im Internet Rechnung tragen müsse. Nun ist die Frage, ob auch Suhl bekannt genug ist, um die Adresse zurückzubekommen.

Wer die Stadt Suhl jetzt im Internet finden möchte, muss unter "www.suhl.com" suchen. Die heimische Wirtschaft h2at der Stadt eine Homepage spendiert. Allerdings scheinen die Suhler nicht geschlossen hinter dem Feldzug ihrer Stadt gegen die Suhls zu stehen

 

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