Freie Presse online vom 24. Juli 2001

Streitfall Suhl: Ein Lübecker stellt sich quer

Weil die thüringische Stadt ihre Gebühren nicht gezahlt hat, verlor sie ihre Domain - Drei Jahre später holte die sich Norbert Suhl

Suhl. Die thüringische Stadt Suhl gibt's nur einmal, den Familiennamen Suhl dagegen häufiger. Ein besonders findiger Herr Suhl macht der Stadt jetzt mächtig zu schaffen. Wer im Internet die vermeintliche Homepage der Stadt anklickt, landet stattdessen in Lübeck. Und auf dieser Seite wird von einem hässlichen Streit Suhl gegen Suhl berichtet.
Den hat sich die Stadt Suhl selbst eingebrockt. Sie hatte sich vor Jahren lediglich die Internetadresse gesichert, aber es versäumt, die Domain-Gebühren rechtzeitig an den Provider zu zahlen. Der nahm die Adresse vor drei Jahren kurzerhand wieder vom Netz. Da Suhl noch keine eigene Homepage eingerichtet hatte, fiel der Verlust lange Zeit nicht auf. Familie Suhl aus Lübeck stieß Anfang des Jahres per Zufall auf die freie Adresse und sicherte sich ihren Namen unter der .de Domain. Unter www.suhl.de ist seitdem die Familie im Norddeutschen zu erreichen.
Die Stadt versucht nun mit allen Mitteln, die Netzadresse zurückzukaufen, sagt Sprecherin Nancy Zauleck. Ober die Höhe der Summe schweigt sie sich aus. Sollte eine gütliche Einigung scheitern, werde eben gerichtlich vorgegangen.
Familienvater Norbert Suhl indes will aber nicht klein beigeben. Für die angebotene Aufwandsentschädigung von 2000 Mark werde er die Homepage auf keinen Fall abgeben, sagt der ehemalige Polizeibeamte, der einen kleinen Computerdienst betreibt. Notfalls lasse er es auch auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen. Die Stadt habe ihm mit "nicht unerheblichen Repressalien gedroht". So verlange sie Schadensersatz in "nicht unerheblicher Höhe". Deshalb will sich Herr Suhl jetzt querstellen. Schließlich sei die Homepage aus rein familiären Gründen gesichert worden. Er habe nie die Absicht gehabt, der Stadt Suhl eins auszuwischen, sagt er.
Die Chancen der Familie Suhl, ihre Homepage zu behalten, sehen allerdings nicht so gut aus. Seit 1996 ist die Rechtslage bei Städtenamen eindeutig. Damals sprach das Landgericht Mannheim der Stadt Heidelberg klar die Besitzrechte an Heidelberg.de zu, obwohl sich eine gleichnamige Firma die Adresse schon gesichert hatte. Begründung: die außerordentliche Bekanntheit der Stadt, der man auch im Internet Rechnung tragen müsse. Nun ist die Frage, ob auch Suhl bekannt genug ist, um die Adresse zurückzubekommen.
Wer die Stadt jetzt im Internet sucht, muss www.suhl.com in die Tastatur eingeben. Damit Suhl trotzdem im Netz vertreten ist, hat die heimische Wirtschaft der Stadt eine Homepage spendiert.

 

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