Meininger Tageblatt vom 23.Juni 2001

Bald vor Gericht: Suhl gegen Suhl?

Stadt und Lübecker Familie liegen im Streit wegen der Internetadresse

Suhl (eh). Heißt es vor Gericht bald Suhl gegen Suhl? Dei kreisfreie Stadt mit diesem Namen, jedenfalls ist fest entschlossen, auf dem Klageweg der Lübecker Familie Suhl die Internetadresse www.suhl.de wieder abzuluchsen.

Und die Stadt Suhl räumt sich gute Chancen ein, die Adresse wiederzubekommen. Dafür gebe es Präzedenzfälle, erklärte Jan Turczynski, Leiter des Amtes für Organisation im Suhler Rathaus. Schließlich sei es der Regelfall, dass solche Domänen von Kommunen belegt würden, ist er frohen Mutes. Denn wer etwas über Suhl im Internet wissen möchte, er versuche es über www.suhl.de., so der Rathausmitarbeiter.
Die Lübecker Suhls aber sehen das anders. Ihr Hinweis auf der Homepage: "Außer unseren Bekannten, Verwandten und Freunden werden viele Besucher dieser Seite Informationen der Stadt Suhl erwarten. Leider befinden wir uns in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der Stadt Suhl, die mit allen Mitteln versucht, diese Domain zu bekommen und mit nicht unerheblichen Repressalien droht. Als geborene Suhls haben wir Ende 2000 diesen Namen bei der Denic gesichert und nicht die Absicht, auf unser Namensrecht zu verzichten, nur weil die Stadt Suhl jetzt feststellt, Ihre Rechte zu spät gesichert zu haben."

Eigentlich aber war die Stadt Suhl gar nicht zu spät gekommen bei der Denic, welche gegen Entgelt die Adressen langfristig sichert, sondern schon vor den Suhls aus Lübeck. Nur: Irgendwer im Rathaus vergaß, das Geld an die Denic zu überweisen. Es sei jetzt müßig, dafür eine Person ausmachen zu wollen, räumt Jan Turczynski ein. Die Lübecker seien in die Lücke geschlüpft ...
Dabei war die norddeutsche Familie bislang noch großzügig mit der südthüringischen Stadt und baute in ihre Botschaft einen Link auf suhl.com ein. Unter dieser Adresse präsentiert nämlich derzeit die Suhler Firma Dreger & Partner EuroPR Werbeagentur viele Informationen und Wissenswertes über die Heimatstadt. Das geschieht in Eigeninitiative und auf Firmenkosten, erklärten die Brüder Thomas und Matthias Dreger auf Anfrage.

Auf die Idee, die Stadt Suhl im Internet zu präsentieren, seien sie schon 1996 gekommen. Und da habe es sogar noch richtig Geld gekostet. "Wir haben uns dazu bemüßigt gefühlt, weil die Stadt keine Bemühungen zeigte, sich im Internet darzustellen. Wir meinten aber schon damals, dass dies wichtig ist", sagte Thomas Dreger. "Die Präsentation macht uns zwar viel Arbeit, aber auch genauso viel Spaß", setzt er nach. Suhl.com. ist keine Unbekannte im Internet, weiß Bruder Matthias. Die Adresse sei über Suchmaschinen leicht zu finden. "Wer Suhl eingibt, kommt auch zu suhl.com", erklärt er. Immerhin würden sich etwa 1000 Besucher pro Woche einklicken und es gebe Resonanz im Gästebuch, auch wenn nicht nur erfreuliche. "Wir präsentieren Suhl im Internet, weil es für die Werbung der Stadt wichtig ist", fassen die Dreger-Brüder ihr Engagement kurz und prägnant zusammen.

Das meinen wohl auch Stadträte. Denn in der Sitzung am Mittwoch beispielsweise fragte Sonja Bernhardt von der PDS-Fraktion an, warum sich Hildburghausen als Stadt im Internet präsentiere Suhl aber nicht. Die PDS-Stadträtin hält Informationen über Gewerbeflächen, Betriebe, Investitionsmöglichkeiten in der Stadt dort für wichtig. Finanzdezernent Erik Reigl informierte über den derzeitigen Rechtsstreit mit der Lübecker Familie, verwies aber auf die Internet-Präsenz über suhl.com. Die Initiative der Werbeagentur solle in nächster Zeit auf Vertragsbasis gehoben werden, daran werde gearbeitet.
CDU-Stadtrat Dr. Dietrich Weiß konnte voller Stolz ergänzen, dass zumindest sein Ortsteil unter www.goldlauter-heidersbach.de. seit dieser Woche im Internet gegenwärtig ist ... Immerhin auch ein Stück von Suhl !

 

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