Wirtschaftswoche vom 07.Juni 2001

Exklusivstudie: Kommunen im Internet

Die meisten deutschen Städte sind inzwischen im Internet. Doch online zu sein, reicht nicht aus. Das schnellste Medium erfordert auch schnelles Reagieren. Wie sehr oder wie wenig deutsche Kommunen auf das Web eingestellt sind, zeigt eine Exklusivstudie der WirtschaftsWoche.

Die Wuppertaler gehörten zu den Schnellsten. Nur wenige Stunden nach der E-Mail-Anfrage eines potenziellen Investors, der um Informationsmaterial und Gesprächspartner vor Ort bat, kam ein erfreuter Anruf der örtlichen Wirtschaftsförderer. Auch ein gutes Dutzend weiterer Städte, etwa Gütersloh, Jena und Frankenthal, reagierten noch am gleichen Tag. Über 50 andere Kommunen hingegen hatten es nicht besonders eilig, einem neuen Unternehmen die Ansiedlung schmackhaft zu machen: Hier herrschte auch nach drei Wochen noch totale Informationsflaute.

DIE E-MAIL WAR EIN TESTBALLON des Wirtschaftsprofessors Uwe Kamenz, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Internet-Marketing in Dortmund. Anhand von 118 Kriterien testete er exklusiv für die WirtschaftsWoche mit einem dreiköpfigen Studententeam den Web-Auftritt und die Onlineangebote der 200 größten deutschen Städte. Das Besondere dabei: Im Fokus stand der konkrete Nutzwert für Unternehmen.
So ging es nicht nur um die Reaktionszeit auf Onlineanfragen, sondern auch um die Bewertung der Web-Infos über kommunale Gewerbeflächen, Förderprogramme, Ausschreibungen oder die regionale Wirtschaftsstruktur. Das Kamenz-Team fahndete im Netz nach Sitzungsterminen und Protokollen von Rat und Ausschüssen ebenso wie nach innerstädtischen Routen- und Mobilitätsplanern, aktuellen Verkehrsinfos, Branchenbüchern oder Möglichkeiten, Formulare herunterzuladen, etwa für Kfz- oder Gewerbeanmeldungen.
Das Testergebnis ist ein kleiner Trost für die krisengeschüttelte Hauptstadt: Berlin hat den wirtschaftsfreundlichsten Web-Auftritt, vor allem wegen der vergleichsweise guten Interaktivität des Angebots und ihres „Location Centers“, einer multimedialen Infoplattform für Investoren. Auf den nächsten Plätzen folgen Bochum, Hamburg, Frankfurt, Köln und Wuppertal .

Und so wurde bewertet: Bei elementaren Kriterien waren bis maximal zwei Punkte zu erreichen, bei weniger wichtigen Testelementen lediglich 0,5 Punkte. Insgesamt konnte eine Kommune 100 Punkte erzielen – je 20 Punkte für Layout, Handling und Interaktivität, 40 Punkte für die Inhalte.

DIE BILANZ FÄLLT durchwachsen aus: „Die Städte geben sich sehr viel Mühe, ihre Internetseiten vollzupacken und optisch ansprechend zu gestalten. Die Zielgruppe der Unternehmer wird dabei aber nicht als Zielgruppe erkannt und unzureichend bedient“, sagt Tester Kamenz. Beleg: Die 200 Städte schafften im Schnitt nur 16,4 Punkte beim Inhalt und gar nur 1,9 Punkte bei der Interaktivität. Kamenz: „Die fehlende Interaktivität zeigt ein eklatantes Unverständnis des Internets oder eine geringe Wertschätzung der Unternehmer als Kundengruppe.“ Allerdings entstehe dadurch nun die Chance für einzelne Städte, durch verbesserte Online-angebote Wettbewerbsvorteile zu erringen.
In vielen Städten herrscht geradezu virtuelle Düsternis: Städte wie Suhl, Bottrop und Erkrath erreichten weniger als ein Drittel der möglichen Punktzahl. In Fürth (Platz 190) erfahren Surfer zwar etwas über Kajakdiebstähle in der Denglerstraße. Wer aber spezielle Angebote für die Wirtschaft sucht, kann sich dort die Finger wund klicken. Die Stadtväter von Suhl wiederum haben ein ganz anderes Problem: Wer Suhl.de anwählt, landet nicht – wie erwartet – bei der Stadt in Thüringen, sondern auf der Homepage der Familie Suhl aus 23564 Lübeck.

 

Exklusivstudie: Kommunen im Internet 
Die meisten deutschen Städte sind inzwischen im Internet. Doch online zu sein, reicht nicht aus. Das schnellste Medium erfordert auch schnelles Reagieren. Wie sehr oder wie wenig deutsche Kommunen auf das Web eingestellt sind, zeigt eine Exklusivstudie der WirtschaftsWoche.
 
Die Wuppertaler gehörten zu den Schnellsten. Nur wenige Stunden nach der E-Mail-Anfrage eines potenziellen Investors, der um Informationsmaterial und Gesprächspartner vor Ort bat, kam ein erfreuter Anruf der örtlichen Wirtschaftsförderer. Auch ein gutes Dutzend weiterer Städte, etwa Gütersloh, Jena und Frankenthal, reagierten noch am gleichen Tag. Über 50 andere Kommunen hingegen hatten es nicht besonders eilig, einem neuen Unternehmen die Ansiedlung schmackhaft zu machen: Hier herrschte auch nach drei Wochen noch totale Informationsflaute. 
DIE E-MAIL WAR EIN TESTBALLON des Wirtschaftsprofessors Uwe Kamenz, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Internet-Marketing in Dortmund. Anhand von 118 Kriterien testete er exklusiv für die WirtschaftsWoche mit einem dreiköpfigen Studententeam den Web-Auftritt und die Onlineangebote der 200 größten deutschen Städte. Das Besondere dabei: Im Fokus stand der konkrete Nutzwert für Unternehmen.
So ging es nicht nur um die Reaktionszeit auf Onlineanfragen, sondern auch um die Bewertung der Web-Infos über kommunale Gewerbeflächen, Förderprogramme, Ausschreibungen oder die regionale Wirtschaftsstruktur. Das Kamenz-Team fahndete im Netz nach Sitzungsterminen und Protokollen von Rat und Ausschüssen ebenso wie nach innerstädtischen Routen- und Mobilitätsplanern, aktuellen Verkehrsinfos, Branchenbüchern oder Möglichkeiten, Formulare herunterzuladen, etwa für Kfz- oder Gewerbeanmeldungen.
Das Testergebnis ist ein kleiner Trost für die krisengeschüttelte Hauptstadt: Berlin hat den wirtschaftsfreundlichsten Web-Auftritt, vor allem wegen der vergleichsweise guten Interaktivität des Angebots und ihres „Location Centers“, einer multimedialen Infoplattform für Investoren. Auf den nächsten Plätzen folgen Bochum, Hamburg, Frankfurt, Köln und Wuppertal . 
Und so wurde bewertet: Bei elementaren Kriterien waren bis maximal zwei Punkte zu erreichen, bei weniger wichtigen Testelementen lediglich 0,5 Punkte. Insgesamt konnte eine Kommune 100 Punkte erzielen – je 20 Punkte für Layout, Handling und Interaktivität, 40 Punkte für die Inhalte. 
DIE BILANZ FÄLLT durchwachsen aus: „Die Städte geben sich sehr viel Mühe, ihre Internetseiten vollzupacken und optisch ansprechend zu gestalten. Die Zielgruppe der Unternehmer wird dabei aber nicht als Zielgruppe erkannt und unzureichend bedient“, sagt Tester Kamenz. Beleg: Die 200 Städte schafften im Schnitt nur 16,4 Punkte beim Inhalt und gar nur 1,9 Punkte bei der Interaktivität. Kamenz: „Die fehlende Interaktivität zeigt ein eklatantes Unverständnis des Internets oder eine geringe Wertschätzung der Unternehmer als Kundengruppe.“ Allerdings entstehe dadurch nun die Chance für einzelne Städte, durch verbesserte Online-angebote Wettbewerbsvorteile zu erringen.
In vielen Städten herrscht geradezu virtuelle Düsternis: Städte wie Suhl, Bottrop und Erkrath erreichten weniger als ein Drittel der möglichen Punktzahl. In Fürth (Platz 190) erfahren Surfer zwar etwas über Kajakdiebstähle in der Denglerstraße. Wer aber spezielle Angebote für die Wirtschaft sucht, kann sich dort die Finger wund klicken. Die Stadtväter von Suhl wiederum haben ein ganz anderes Problem: Wer Suhl.de anwählt, landet nicht – wie erwartet – bei der Stadt in Thüringen, sondern auf der Homepage der Familie Suhl aus 23564 Lübeck.  

 

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