ZDF.MSNBC vom 04. August 2001

ZDF.MSNBC ? Wem gehört Suhl?

Wem gehört Suhl?

Stadt in Thüringen und Ex-Polizist streiten um Domain

Von Holger Meier

Ein Ex-Polizist und eine Kleinstadt im Thüringer Wald haben eine Gemeinsamkeit, die ihnen gar nicht recht ist: beide heißen Suhl, und sie streiten sich um die Domain suhl.de. Die gehört derzeit Norbert Suhl aus Lübeck; weil man in Thüringen vergessen hat, eine Rechnung zu bezahlen.
Auf den etwas bizarren Domainstreit ist man in Suhl nicht besonders gut zu sprechen: Holger Uske, in der Stadtverwaltung für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, verweist lapidar "auf ein laufendes Verfahren, zu dem wir uns nicht äußern können".

DENIC GAB ADRESSE FREI
Die Angelegenheit ist den Thüringern offenbar etwas peinlich. Denn vor Jahren war suhl.de für die Kleinstadt reserviert. Bis zu dem Tag, als jemand in der Verwaltung vergaß, ein paar Mark an die deutsche Domainzentrale Denic zu überweisen.
Die Denic gab die Domain wieder frei, was Norbert Suhl freute. "Da habe ich meiner Frau gesagt, dass wir jetzt schöne E-Mail-Adressen bekommen." Und Post hat Suhl dann auch bekommen - eben aus Suhl. Dass das virtuelle Suhl inzwischen an der Ostsee angekommen war, war in der Stadtverwaltung erst aufgefallen, als es ein neues Konzept für die städtische Website gab.

KEINE NAMENS-BERECHTIGUNG
Die Stadtverwaltung argumentierte zunächst, der Lübecker Suhl habe nicht die Berechtigung, diesen Namen zu führen. Aber er heißt eben so, was den Streit juristisch kompliziert macht. Denn vergleichbare Fälle, etwa der um heidelberg.de, können nicht ohne weiteres auf suhl.de übertragen werden. In diesem Fall hatte sich ein IT?Unternehmen, das eine regionale Datenbank aufbauen wollte, die Domain gesichert.
Das ist auch in Suhl, Thüringen, bekannt, weshalb Suhl, Lübeck, ein Angebot vorliegt. Die Stadt bietet dem BGS-Beamten im Ruhestand 2000 Mark Aufwandsentschädigung an - aber keine echte Ablöse. "Die Adresse bekommen die nicht geschenkt", lehnt Suhl ab. Er taxiert den Streitwert eher zwischen 50.000 und 100.000 Mark ? mit dem Hinweis: "Jeder ist käuflich".

KLAGE VORBEREITET
Beide Seiten beteuern, an einer gütlichen Einigung interessiert zu sein, beide bleiben aber hart: Norbert Suhl sieht einem Gerichtsverfahren gelassen entgegen, weil er meint, die besseren Karten zu haben: "Ich gebe nicht klein bei". Und das Rechtsamt der Stadtverwaltung hat inzwischen eine Klageschrift vorbereitet; der Fall soll vor einem Landgericht verhandelt werden.

 

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